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Hall in Tirol - Geschichtliches

Die Stadt Hall liegt auf dem weiten Schwemmkegel des aus dem Halltal fließenden Baches. Die Entstehung einer Siedlung hing unmittelbar mit der Entdeckung eines Salzvorkommens im Halltal und seiner Verarbeitung (Saline) zusammen. Die erste urkundliche Nachricht vom Salzbergbau stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. 1232 wurde noch von einer „salina in intal iuxta Tavr castrum" (Saline im Inntal nahe der Burg Thaur) gesprochen. Der Siedlungsname Hall wird relativ spät in den Urkunden genannt. Erst 1256 bzw. 1263 wird erstmals die Formulierung „ze Halle“ (zu Hall) verwendet.

Alte Ansicht von Hall
Foto von Hall in Tirol

Bereits im Jahr 1288 war die Siedlung Hall so herangewachsen, dass sie eine eigene, von der ursprünglichen Gemeinde Absam abgetrennte Siedlung bildete. Da der Großteil der Bevölkerung in der Saline arbeitete, also nur beschränkt für die eigene Versorgung durch landwirtschaftliche Tätigkeit sorgen konnte, entwickelte sich bald ein reger Handel. In alten Urkunden wird immer darauf hingewiesen, dass Graf Meinhard I. von Tirol  (gest. 1258) Hall mit dem Marktrecht ausgestattet hätte. Begünstigt wurde Halls Entwicklung zum Marktort auch dadurch, dass zur Versorgung der Saline mit Brennholz der Inn mit einem Holzrechen abgesperrt werden musste, wo man das Triftholz auffangen konnte. Damit war die Schifffahrt Inn aufwärts unterbrochen, und Hall wurde zum Umschlagplatz der importierten Waren. Die Handelsstadt Hall war damit geboren.

Die Saline und der aufstrebende Handel waren die Voraussetzungen dafür, dass zu Beginn des 14. Jahrhunderts Hall das Stadtrecht anstreben konnte. 1303 erhob Herzog Otto von Kärnten-Tirol Hall zur Stadt mit allen jenen Privilegien, wie sie auch die Stadt Innsbruck besaß. Äußeres Zeichen einer mittelalterlichen Stadt und unabdingbare Voraussetzung für eine Stadtrechtsverleihung war das Vorhandensein einer wehrhaften Stadtbefestigung. Neben Salzbergbau, Salzverarbeitung und Handel entwickelte sich in Hall noch ein vierter Wirtschaftszweig, nämlich verschiedene Gewerbe. Schmiede, Schlosser, Versorgungsgewerbe wie Bäcker oder Metzger, vor allem aber das Gastgewerbe spielten eine große Rolle. Zeitenweise existierten bis zu 30 Gastbetriebe. Im 14. Jahrhundert ist das Transportgewerbe zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden. Die Kunst der Schifffahrt war fest in der Hand Haller Bürger. Die Schiffleute hatten sich als eine der ersten zu einem städtischen Berufsverband zusammengeschlossen. Bis ins 18. Jahrhundert stammte der überwiegende Teil der Schiffleute, die den Zoll von Aschach an der Donau passierten, aus Hall!

Zwei verheerende Katastrophen trafen die Stadt Hall:

1447 ist  fast die ganze Stadt abgebrannt. Obwohl der Großteil der Bevölkerung vor dem Nichts stand, begann sofort der Wiederaufbau. Es ließ sich allerdings nicht vermeiden, dass viele Jahre das Wirtschaftsleben darunter litt. 

Viele Haller hatten das vom Handel erworbene Vermögen in den Silberbergbau in Schwaz investiert. Dort erlangten sie rasch großen Reichtum. Der enorme Reichtum ermöglichte ihnen die Häuser in Hall noch prächtiger als vor dem Brand wieder aufzubauen. 

1450 bis 1465 umfasste die erste Bauphase.

In der zweiten Phase von 1480 bis 1490 wurde unter anderem der, später so genannte Münzerturm errichtet. Aufgrund des wirtschaftlichen Vorankommens ließ Herzog Sigmund die Münzprägung von Meran nach Hall verlegen.

1477 wurde im Ansitz Sparberegg erstmals die Münzprägung aufgenommen.

Die 1482 bis 1486 durchgeführte Münzreform bestimmte das europäische Währungssystem durch Jahrhunderte und machte Hall zu einem weltweiten Begriff. Doch der Bauboom, der nach dem Stadtbrand für Jahrzehnte anhielt, fand in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sein Ende. Einerseits war der Bedarf an neuen Häusern gedeckt und durch verschiedene Epidemien wurde die Bevölkerungszahl drastisch vermindert.

Im Juli 1670 kam das verheerende Erdbeben. Große Teile der Häuser waren schwer beschädigt, einige ganz eingestürzt. Kirchen, Türme und Teile der Stadtmauer erlitten großen Schaden. In den folgenden Jahrzehnten setzte eine rege Bautätigkeit ein. Zuerst wurden die Häuser statisch abgesichert, anfänglich mit Floßbäumen, wurden aber bald durch Erdbebenstützmauern ersetzt (heute noch bei den meisten Häusern der Altstadt zu sehen).  Jahrzehnte lang blieben manche Häuser als Ruine stehen, vor allem fehlte den Besitzern das Interesse oder das nötige Geld. Die Stadt konnte so die eingefallenen Häuser billig erwerben. Zuerst ging es natürlich um die Behebung der Schäden, bald aber ging die Bautätigkeit darüber hinaus, bei der das Barock voll zum Durchbruch kam. Die geänderte Waffentechnik machte die mittelalterlichen Befestigungsanlagen unnütz, der Abbau wurde um 1795 begonnen. Wirtschaftliche Umstrukturierung war spürbar, Fabriken wurden gegründet, der bisherige Siedlungsbereich wuchs über den Altstadtbereich hinaus und durch die verbesserte medizinische Versorgung stieg die Anzahl der Bevölkerung enorm. Wirtschaftszweige wie Innschifffahrt oder Salzhandel gerieten in eine Krise.  Dies führte dazu, dass während des 19. Jahrhunderts die Stadt einen grundlegenden Wandel mitmachte, der auch im äußeren Erscheinungsbild deutliche Spuren hinterließ. Nach dem 1. Weltkrieg reifte in Hall der Plan den Fremdenverkehr anzukurbeln, und mit seinen Solebädern Hall zu einem internationalen Kurort auszubauen. Doch die allgemeine wirtschaftliche und politische Lage förderte die Aktivitäten der Stadt nicht. Am Ende des 2. Weltkrieges gab es noch einmal Elend und Not. Viele gefallene, vermisste Soldaten, zivile Todesopfer und zum Teil oder zur Gänze zerstörte Häuser. Der Wiederaufbau und die Zunahme der Bevölkerung erfolgte in rasantem Tempo. Neue Stadtteile wurden errichtet und eine rege Bautätigkeit im Altstadtbereich war eingetreten. Bürgerhäuser und die meisten Geschäftslokale erlebten eine mehr oder weniger gelungene Modernisierung. Die Bautätigkeiten und Renovierungen hielten bis heute an. Hall ist eine alte, historische Stadt mit besonderem Flair geworden, die es sich lohnt anzuschauen.

Diese Texte stammen auszugsweise aus dem Buch von Dr. Heinz Moser

 
 
 

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